Damit Loks und Wagen auch auf fremden Anlagen sicher laufen, gibt es gemeinsame Maße für Gleis, Radsatz und Puffer. Hier haben wir die wichtigsten Werte für 5 Zoll und 7¼ Zoll übersichtlich zusammengestellt – auf Grundlage der Normen Europäischer Modellbahnen (NEM) des MOROP und der Empfehlungen des Dampfbahnclubs Deutschland (DBC-D).
Spurweite und Maßstab
Die Spurweite ist fest – der Maßstab hängt vom Vorbild ab. Eine Normalspurlok wird in 5 Zoll im Maßstab 1:11 gebaut, eine Feldbahnlok mit 600 mm Vorbildspur dagegen fast im Maßstab 1:5. Deshalb sind Feld- und Schmalspurmodelle bei gleicher Spurweite deutlich größer.
| Spur | Spurweite | Maßstab bei Vorbild-Spurweite | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1435 mm Normalspur | 1000 mm | 900 mm | 750 mm | 600 mm | ||
| 5 Zoll | 127 mm | 1:11 | 1:7,9 | 1:7,1 | 1:5,9 | 1:4,7 |
| 7¼ Zoll | 184 mm | 1:8 | 1:5,4 | 1:4,9 | 1:4,1 | 1:3,3 |
Spurweiten und Normalspur-Maßstäbe nach NEM 010.
5 Zoll ist im deutschsprachigen Raum die mit Abstand verbreitetste Spurweite und auf fast jeder Clubanlage vorhanden. 7¼ Zoll folgt auf Platz zwei und ist ebenfalls auf vielen Anlagen befahrbar.
Gleis und Weichen
Die Gleismaße legen fest, wie viel Platz die Räder im Gleis und vor allem in Weichen und Kreuzungen haben. Sie sind genau auf die Radsätze abgestimmt.
| Spur | G | C | E | S | F | H | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Nenn | max | min | max | max | min | max | min | max | min | |
| 5 Zoll | 127 | 130 | 122,0 | 123,0 | 119,0 | 115,0 | 116,0 | 6,0 | 7,0 | 4,7 |
| 7¼ Zoll | 184 | 190 | 176,0 | 178,0 | 173,0 | 168,0 | 170,0 | 6,0 | 8,0 | 6,3 |
Maße in mm, nach NEM 110G.
- G – Spurweite. Der Nennwert gilt in der Geraden und ist zugleich das Mindestmaß.
- C – Leitweite am Herzstück. Daraus ergibt sich die Rillenweite am Radlenker: G – C.
- E – Größtmaß für Leitschienen in engen Bögen, Brückenschutzschienen und Kreuzungsrillen. Rillenweite dort: G – E.
- S – Leitflächenabstand.
- F – Rillenweite am Herzstück.
- H – Rillentiefe am Herzstück. Alle übrigen Rillen sollten mindestens 1,3 × H tief sein.
Rillenweite F am Herzstück nach Bogenradius
Im Bogen stehen die Räder schräg und brauchen mehr Platz. Als Richtwert gilt:
| Bogenradius | Rillenweite F | 5 Zoll | 7¼ Zoll |
|---|---|---|---|
| über 55 × G | F min | ab ca. 7,0 m | ab ca. 10,1 m |
| über 42 × G | Mittelwert | ab ca. 5,3 m | ab ca. 7,7 m |
| über 30 × G | F max | ab ca. 3,8 m | ab ca. 5,5 m |
| unter 30 × G | gesondert ermitteln, vor allem bei Fahrzeugen mit langem festem Achsstand | ||
Radsatz
Die Radsatzmaße sind die Grundlage für Bau und Prüfung von Rädern, die auf normgerechten Gleisen und Weichen laufen sollen.
| Spur | K | B | N | T | D | P | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| min | max | min | max | min | max | min | max | min | max | ||
| 5 Zoll | 119,5 | 122,0 | 117,0 | 119,0 | 14,5 | 16,5 | 2,5 | 3,0 | 4,0 | 4,7 | 1,6 |
| 7¼ Zoll | 175,0 | 176,0 | 172,0 | 173,0 | 21,0 | 23,0 | 3,0 | 4,0 | 5,0 | 6,3 | 2,4 |
Maße in mm, nach NEM 310G.
- K – Leitmaß (Radrücken der einen bis Spurkranzflanke der anderen Seite).
- B – Radrückenflächenabstand, umgangssprachlich „Rückenmaß“.
- N – Radbreite.
- T – Spurkranzbreite.
- D – Spurkranzhöhe.
- P – Lage der Messebene, in der die Spurkranzbreite T gemessen wird.
Worauf man achten sollte
- T und B dürfen nicht beliebig an ihren Grenzwerten kombiniert werden – sonst passt das Leitmaß K nicht mehr.
- Wer den schmalsten Spurkranz (T min) wählt, sollte das größte Leitmaß (K max) anstreben, damit der Radsatz nicht unnötig viel Spiel im Gleis hat.
- Schmalere Räder als N min sind nur zulässig, wenn K + N größer bleibt als die größte Spurweite G max.
- Gleis und Radsatz greifen ineinander: Das kleinste Rückenmaß B liegt über dem größten Leitflächenabstand S, und das größte Leitmaß K nicht über der kleinsten Leitweite C. So läuft jeder normgerechte Radsatz sicher durch jede normgerechte Weiche.
Radprofil
Für die Rundungen am Radprofil gibt es Empfehlungen: R1 ist die Ausrundung zwischen Lauffläche und Spurkranz, R2 eine weitere Kantenrundung am Profil (genaue Lage siehe Normblatt NEM 311G). Die übrigen Maße des Profils – B, D, N, P und T – entsprechen der Radsatztabelle oben.
| Spur | R1 | R2 |
|---|---|---|
| 5 Zoll | 1,5 | 1,0 |
| 7¼ Zoll | 3,0 | 1,5 |
Maße in mm, Empfehlung nach NEM 311G.
T und R1 hängen voneinander ab. Es muss gelten:
G > B + 2 × T + 1,8 × R1
Wird der Spurkranz aus Festigkeitsgründen breiter gewählt, muss R1 entsprechend kleiner werden – aber immer größer bleiben als die Ausrundung des Schienenkopfs. Bei 7¼ Zoll geht die Rechnung mit dem größten Rückenmaß (B = 173 mm) und R1 = 3,0 mm nicht auf. Hier das Rückenmaß eher zur Untergrenze hin wählen oder R1 verkleinern.
Bogenradien
Eine Lok lässt sich zwar oft auch durch sehr enge Kurven zwängen – dauerhaft störungsfrei fährt es sich aber erst ab gewissen Mindestradien. Die folgenden Werte sind Erfahrungswerte und als grobe Orientierung zu verstehen. Wie sich ein bestimmtes Fahrzeug verhält, sollte man im Einzelfall ausprobieren.
| Spur | Hauptbahnfahrzeuge | Nebenbahnfahrzeuge |
|---|---|---|
| 5 Zoll | 12 m | 6 m |
| 7¼ Zoll | 20 m | 10 m |
Empfehlung des DBC-D.
- Immer den größten Radius wählen, den das Grundstück hergibt.
- Auch an die Wagen denken: Zu einer kurzen Lok passen in engen Bögen nur kurze Wagen, sonst verhaken sich die Puffer.
Puffer und Kupplung
Normalspur-Fahrzeuge
Beim Vorbild liegen die Puffer 1750 mm auseinander, die Puffermitte darf zwischen 940 und 1065 mm über Schienenoberkante liegen. Für das Modell ergeben sich daraus folgende Werte:
| Spur | Pufferabstand | Pufferhöhe | zulässiger Bereich der Höhe |
|---|---|---|---|
| 5 Zoll | 159,0 ± 1,0 | 96,5 +0,5 / −7,5 | 89,0 – 97,0 |
| 7¼ Zoll | 219,0 ± 1,5 | 132,5 +1,0 / −10,5 | 122,0 – 133,5 |
Maße in mm, nach NEM 303.
Auf Fahrzeugzeichnungen findet man oft eine Pufferhöhe von 1060 mm. Das ist der Wert ab Werk: leer, ohne Kesselwasser und Vorräte und mit neuen Radreifen. Im Betrieb sinkt die Höhe durch Beladung und Abnutzung – deshalb lässt die Norm nach unten deutlich mehr Spielraum als nach oben.
Form und Größe der Pufferteller werden in der Regel vom jeweiligen Vorbild maßstäblich übernommen.
Schmalspur-Fahrzeuge
Schmalspurfahrzeuge haben meist eine Mittelpufferkupplung. Bauform und Höhe sind nicht einheitlich und hängen vom Vorbild ab. Als grobe Orientierung:
| Spur | Kupplungshöhe |
|---|---|
| 5 Zoll | 70 – 100 |
| 7¼ Zoll | 100 – 150 |
Maße in mm, Orientierungswerte nach DBC-D.
Sicherheit bei Fahrten mit Fahrgästen
Wer Fahrgäste befördert, trägt Verantwortung. Der DBC-D hat dafür Empfehlungen für Betreiber von Anlagen zusammengestellt – die wichtigsten Punkte in Kürze:
Freiraum an der Strecke
- Möglichst 1 m Platz zu beiden Seiten, gemessen ab Fahrzeugmitte.
- An unvermeidbaren Engstellen nicht weniger als etwa 0,8 m ab Fahrzeugmitte bzw. 0,3 m ab Wagenseite.
- Nach oben mindestens etwa 1,8 m frei, gemessen über Gleismitte.
- Wo viele Zuschauer stehen: Absperrband oder Zaun.
Warnen und Beleuchtung
- Jeder Zug braucht ein akustisches Warnsignal, etwa Pfeife oder Hupe.
- Bei Dunkelheit sind Spitzenlicht vorne und rote Schlussleuchte hinten Pflicht.
Bremsen
- Lok und/oder Bedienwagen – bei Bedarf auch die Personenwagen – brauchen eine zuverlässige Bremse.
- Gefahren wird auf Sicht: Der Zug muss jederzeit vor einem Hindernis anhalten können.
Betriebsleitung
- Bei öffentlichen Fahrtagen gibt es einen verantwortlichen Betriebsleiter, dessen Anweisungen für alle gelten.
- Sinnvoll ist eine schriftliche Platz- und Fahrordnung, die alle Beteiligten kennen.
Dampfkessel
- Gerade größere Kessel bergen Risiken. Bau, Prüfung und Betrieb regelt das Kesselhandbuch des DBC-D.
- Auch ein abblasendes Sicherheitsventil oder Wasser, das beim Anfahren ausgestoßen wird, kann Zuschauer verletzen.
- Jeder Anlagenbetreiber legt selbst fest, was er von Gastfahrern verlangt – zum Beispiel eine aktuelle Kesseldruckprüfung.
Normgerechte Fahrzeuge
Gleis, Radsätze und Puffer sollten den oben genannten Normen entsprechen. Nach den Empfehlungen des DBC-D muss bei einem Schaden derjenige nachweisen, dass er nicht verantwortlich ist, dessen Fahrzeug oder Gleis von den Normen abweicht.
Quellen: Normen Europäischer Modellbahnen NEM 010, 110G, 303, 310G und 311G des MOROP sowie Empfehlungen des Dampfbahnclubs Deutschland e.V. (DBC-D). Die vollständigen Normblätter mit Zeichnungen erhalten Sie beim MOROP.
Alle Angaben ohne Gewähr. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen NEM-Blätter des MOROP bzw. die Veröffentlichungen des DBC-D.
